Lady Cigar Club

Zigarrenrauchende Frauen sind von einem besonderen Flair umgeben. Nicht umsonst schmücken sich die Zigarrenfachmagazine immer wieder mit Bildern rauchender Modelle. Gerne tief dekoletiert und nach Möglichkeit mit einem verführerischen Lächeln hinter dem Rauchschleier. Dem, vorzugsweise, männlichen Betrachter wird eine Botschaft übermittelt, welche, wie so oft, wenn Erotik in der Werbung als Blickfänger dienen soll, etwas gestrig daherkommt. Dabei entsprachen die ersten Zigarrenraucherinnen gar nicht dem Beuteschema des Durchschnittsmachos. Zigarrenrauchen, bis heute eine Männerdomäne, war Mittel und Zweck emanzipatorisches Denken zu signalisieren. Eine lange Reihe von aussergewöhnlichen Frauen rauchten Zigarren. Eine der Ersten, die sich öffentlich dazu bekannte, war die Schriftstellerin und Sozialkritikerin George Sand. Sie rauchte für die Rechte der Frau, für die freie Liebe und aus Genuss. Eine andere Vertreterin des schwachen Geschlechts war Bonnie Parker. Sie liebte Banken, die Kunst und ein gesetzloses Leben und liess sich mit Revolver und Zigarre fotografieren. Eine Lady war sie allerdings nicht. Ob die Popikone Madonna wirklich Zigarren raucht, entzieht sich meiner Kenntnis, aber der Tabak dient dem Sexsymbol zur Betonung der eigenen Sinnlichkeit. Auch Linda Evangelista liebt ein gutes Glas Wein und eine Zigarre.

Um so interessierter war ich, als ich hörte, dass es in Biel einen LadiesCigarClub gebe. Meine Nachforschungen brachten mich in Kontakt mit Therese Rihs und als ich anfragte ob ich mal mit den Ladys eine Zigarre rauchen dürfe, ja sie dazu einladen würde, versprach sie meine Anfrage mit den Mitraucherinnen zu besprechen. Dann ging es schnell und unkompliziert. Vier Wochen später sassen wir in einer gemütlichen, kleinen Metallfabrik zusammen. Ein schöner Tisch war aufgestellt und die appetitlichen Mitbringsel zwischen den angezündeten Kerzen aufgebaut. Gastgeberin Anita Küffer ist eine der Ladys und Mitinhaberin der Werkstatt. Der Grund für die aussergewöhnliche Lokalität ist nicht zuletzt, dass frau sich umsehen muss, wo in Zukunft dem Zigarrenrauchen gefrönt werden darf. Allzu viele Fumoirs sind in der Region nicht in Sicht, per behördlichem Dekret wurde das Rauchen in den Wirtschaften abgeschafft und so kommen die praktischen Talente einer Lady zum Zug. Apropos Lady, traditionell von Adel, doch im Sprachgebrauch eine noble, auf dem gesellschaftlichen Parkett gestaltende und vorzeigbare Person, gut gekleidet, gebildet, reif und erfahren, jeder Situation und Konversation gewachsen. Ein bisschen Diva darf sie sein. Man(n) hat Respekt. In diesem Sinn und Geist kann auch ein Industrieraum den improvisierten Treffpunkt bieten. Die 10 Ladys, die nun pünktlich eintreffen, verkörpern alle die oben erwähnten Eigenschaften und doch sind sie, jede Einzelne, unverwechselbar. Und weil es eben ein Damenabend ist, kommt auch nicht der Winzer, der ein paar passende Weine präsentiert, sondern die Winzerin Annemarie Steiner aus Schernelz. Zur Begrüssung kredenzt sie einen Sauvignon blanc, gerade abgefüllt vom vergangenen Jahr 09, ein blumig, frisch-fruchtiger Weisser, zu dem die erste Runde Zigarren angezündet wird.

Der LadiesCigarClub wurde am 18. Oktober 2005 gegründet. Die Gründungsveranstaltung fand unter dem Patronat von Maya Selva, der Produzentin der Flor de Selva, statt. Der Club verzichtet auf jeden formellen Anspruch, ist nicht Verein und nicht Verband, hat weder schriftliche Satzungen noch Aufnahmebedingungen oder Mitgliederbeiträge. Anfänglich versuchte man ganz offiziell eine Hierarchie mit Präsidentin etc. aufzubauen, doch es «hat sich erübrigt». Theoretisch können auch Nichtraucherinnen dem Club beitreten, der sich seit der Gründung regelmässig am ersten Mittwoch im Monat irgendwo trifft. Einmal im Verlaufe des Jahres wird eine kleine Reise, zum Beispiel eine dreitägige Rheinschifffahrt, und ein Bildungsausflug geplant. So besuchte man das Davidoff’sche Zollfreilager, war bei Villigers und bei Michel Perrenoud. Doch im Mittelpunkt eines jeden Treffens steht der blaue Dunst, die Zigarre.

So werden die Zigarren, die ich zur Beurteilung mitgebracht habe, fachmännisch berochen, betastet und angezündet. Jeweils zwei Ladys erhielten Zigarren der selben Sorte und das Tastingblatt zum Ausfüllen. Ein zweiter Wein kam auf den Tisch, ein Cuvée Steiner, eine Assemblage von Syrah- und Malbectrauben, granatrot, kräftig. Beobachter, der ich war am Tisch, fiel es mir leicht, Unterschiede zwischen einer ähnlich gearteten Männerrunde und der mir sichtbaren Damengesellschaft zu beurteilen. Das selbstgemachte Gebäck, die Kerzen, die ruhig fliessende Konversation, eine dezente, ansteckende Munterkeit. Damen eben. Konsens herrschte darüber, dass die Aufstellung von Geschmacksnuancen zu den gebotenen Zigarren nicht erforderlich sei, da man diesen im Allgemeinen misstraue. Also keine Walderdbeerzigarre mit nachdunkelndem Honig und Holzaromen. Klare Beurteilungen sollen es sein. Ein dritter Wein wurde gereicht, die ganz besondere Variante einer Freisamer Spätlese, ein süsser, rundschmeckender Dessertwein mit markanter Säure. Ein Genuss zu den kürzer werdenden Zigarren.

Der Abend verlief sehr kultiviert, harmonisch, verschiedene Meinungen, Themen und Geschmäcker, verschiedene Frauen, verschiedene Gesichter und Geschichten vermischten sich zu einer Assemblage mit Tabak. Ein kultivierter Abend. Mir wurde eine Mitfahrgelegenheit nach Hause angeboten. Eine schöne Fahrt in einem BMW Z4 M Roadster über die nächtliche Autobahn. Sollten die Ladys doch weniger harmlos sein als es auf einen ersten Blick den Anschein macht?

 

Sollte es jetzt die eine oder andere Dame geben, die sich zur Lady berufen fühlt, so empfehle ich doch Kontakt aufzunehmen: info@kellertabak.ch

Frau Therese Rihs informiert Sie gerne über den Lady Cigar Club.

Besuch des Procigar-Festivals 2013 in der Dom. Rep.

10 Jahre Ladies Cigar Club!!!

Zu unserem 10-jährigen Bestehen wurden wir von Raymondo Bernasconi (The Royal Cigar Comp., Basel) zu einem wunderschönen, gemütlichen Abend in seine Lounge eingeladen. Wir wurden verwöhnt mit feinen Salaten, Bratwurst vom Grill und sehr süffigem Rotwein vom Hausherrn (Gilbert).  Natürlich kam das Rauchen nicht zu kurz. Wir pafften ganz genüsslich die Cigarren unserer Patentante, Maya Selva, die Flor de Selva. Eine ganz tolle Überraschung gab es zum Dessert noch: ein Geburtstagskuchen mit 10 Kerzen und jedes Mitglied des LCC erhielt eine von Maya Selva handsignierte Kiste Cigarren! Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals ganz, ganz herzlich bei Raymondo und seinem Team für die tolle Gastfreundschaft und das Organisieren dieses schönen Events, und natürlich bei Maya Selva für das grosszügige Geschenk.

Adresse:

Keller Tabak AG
Bahnhofstrasse 1
2502 Biel /Bienne

 

Tel.: 032 322 52 70
Email: info@kellertabak.ch

Öffnungszeiten:

Mo - Fr: 08:00 bis 18:30 Uhr 

Sa: 09:00 bis 17:00 Uhr

Anfahrtsweg:

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